Fischland - Darß - Zingst


bilden eine Halbinsel, die der nordvorpommerschen Küste vorgelagert ist und zusammen mit dieser eine einzigartige Boddenlandschaft bildet, geprägt von schroffen Steilküsten und sanften Sandstränden, vom anrollenden Meer auf der einen und den flachen, schilfbewachsenen Boddengewässern auf der anderen Seite.
Das Leben der Menschen ist hier seit altersher vom Meer in besonderer Weise geprägt. Sturmfluten, Überschwemmungen, Küstenabbrüche und das Versanden einstiger Flußarme erforderte immer wieder neue Versuche, sich dem Meer entgegenzustemmen.
Die Lage am Meer bedingt, dass die Boddenlandschaft eine lange Seefahrer- und Fischfanggeschichte hat. Noch heute zeugen davon der Wustrower Hafen mit seinen Traditionsseglern, den Zeesbooten, die Kirche mit dem höchsten Turm der Gegend, der den Schiffen als Landmarke diente, die "Kapitänshäuser" in Wustrow und Zingst und die Seemannskirche in Prerow. Höhepunkt war die Zeit der schnellen Großsegler im 18. und 19. Jahrhundert. In Wustrow wurde 1846 eine Navigationsschule gegründet, in der die Steuermannsausbildung für Seeschiffe bis 1991 zu Hause war. In Prerow und Zingst hielten preußische Navigationsschulen ihre Kurse ab.
Als die Zeit der Segler zu Ende ging, entdeckten zuerst die Maler die Halbinsel vor der Küste. Es war das Licht, das sie faszinierte, "ein Farbzauber, der nicht nur das Auge, sondern mehr noch das Herz labt und erquickt". An die Maler hatten sich die Leute bald gewöhnt, dann aber tauchte auf einmal der erste auf, der nicht malte. Müller - Kaempff erzählt, zu ihm seien eines Tages einige Ahrenshooper gekommen, die ihm anvertrauten, da sei ein Fremder eingetroffen. "Könnte das nicht ein Spion sein?" Was auszuspionieren war, wußten sie zwar nicht, aber daß sich einer eine Woche in Ahrenshoop eingemietet hatte und nicht zu Pinsel und Farbe griff, war ihnen unheimlich. "Wat will hei denn hier, wenn hei nich malt! Dat is bestimmt en Spion!" Es war aber kein Spion, es war der erste Badegast.
Diese Landschaft, heute ein Nationalpark, blieb etwas Besonderes. Hier dominieren nicht die großen Kurhäuser- und Parkanlagen, wie sie für die mecklenburgische Großbuchtenküste und die Ostküsten der Inseln Rügen und Usedom typisch sind, sondern es überwiegen die natürlich gewachsenen Siedlungen, deren Bauten eine jahrhundertelange Erfahrung mit der Landschaft, dem Wetter und der See zugrunde liegt. Es sind - abgesehen von einigen Ferienhotel - Neubauten - flache, meist mit Schilf gedeckte Häuser. In den Orten der Boddenlandschaft kann man den Traditionen und der Kultur nicht nur in Heimatstuben und Museen nachspüren, sondern mit den Neptunfesten, Konzerten, den Zeesbootregatten oder Reiterfesten wie das Tonnenabschlagen ist viel bodenständiges Leben erhalten geblieben.

© Dr. H. Koch


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