Hanna Schrader / Foto: Bernd Lasdin (freundl. Genehmigung)
Geschäftsstelle der Festspiele MV in Schwerin. Foto: Michels
Einige Spielstätten der Festspiele MV in Schwerin/Fotos: Michels
Viviane Hagner wird ebenfalls bei den Festspielen MV wieder gastieren. Foto: Bernd Lasdin (freundl. Genehmigung)
2010 ist ein besonderes Jahr: Deutschland feiert den 20. Jahrestag der Einheit, das Filmkunstfest MV findet zum 20. Mal statt, das Technologie- und Gewerbezentrum Schwerin/Wismar zählt zwei Jahrzehnte, der Stadtsportbund und der Schweriner Sportclub ebenso, und auch die Festspiele M-V werden 20. Dazu feiert Schwerin ein besonderes Jubiläum: Die Stadt wird stolze 850 Jahre alt.
Die Landeshauptstadt MV wird - wie Rostock, Greifswald und viele Städte und Orte mehr - auch Spielstätte einiger Veranstaltungen der Festspiele MV sein.
Nachgefragt bei Hanna Schrader, Leiterin der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Festspiele M-V
Frage: Frau Schrader, das Jahr 2010 ist ein besonderes. Ohne die deutsche Einheit hätte es Sie nicht von Bayern nach Mecklenburg verschlagen … Was verbinden Sie, ganz persönlich, mit 20 Jahren Deutscher Einheit und 20 Jahren Festspiele MV?
Hanna Schrader: Ganz persönlich verbinde ich mit 20 Jahren Deutscher Einheit vor allem auch meine familiären „Wurzeln“. Mein Großvater stammt aus der Nähe von Berlin. Ohne die deutsche Wiedervereinigung wäre für meine Familie und mich nie dieser intensive Bezug zur Heimat meines Großvaters entstanden.
Und das ist für mich schon eine „Spur“ des Zusammenwachsens, die sich in diesen letzten zwei Jahrzehnten deutlich gezeigt hat. Ich verbinde natürlich auch meinen beruflichen Werdegang damit. Ohne die Einheit wäre für mich als gebürtige Bajuwarin nie die wirkliche Möglichkeit vorhanden gewesen, nach Mecklenburg-Vorpommern zu wechseln.
Was die 20 Jahre Festspiele MV betrifft, so habe ich die Festspiele nicht von Beginn an wahrgenommen, bin jedoch als studierte bzw. ausgebildete Kulturhistorikerin und Kulturmanagerin in Hinblick auf die Entwicklung der Kulturlandschaft in Deutschland, aber auch in ganz Europa, sehr aufmerksam und interessiert.
Gerade die letzten Jahre der Festspiele MV waren von einer noch größeren Programmvielfalt, z. B. einer stetig wachsenden Zahl an Konzerten, gekennzeichnet. Die Festspiele haben sich als Landesfestival immer weiter etabliert. 20 Jahre Deutsche Einheit sind eben auch 20 Jahre Festspiele MV, die in dieser heutigen Form, unter den Vorzeichen einer deutschen Teilung so nie hätten entstehen können. Man muss allerdings auch in dem Prozess des deutsch-deutschen Zusammenwachsens selbst aktiv werden.
Für mich war es schon sehr wichtig, die neuen Bundesländer, speziell Mecklenburg-Vorpommern, kennen zu lernen – die Mentalität der Menschen, die regionalen Verhältnisse, die Landschaften. Es ist auch ein „Sich-öffnen“ gegenüber dem Neuen, noch Fremden, um sich gegenseitig besser zu verstehen. Das muss weiter vorangetrieben werden. Deshalb war für mich der „Schritt“ von Bayern nach Mecklenburg-Vorpommern schon sehr wichtig und hilfreich.
Frage: Aber ein Kulturschock war MV für Sie nicht?
Hanna Schrader: Keineswegs. Ich komme aus einem Ort, der nur 300 Einwohner hatte … Schwerin ist eine wunderschöne Stadt und Mecklenburg-Vorpommern ist ein sehr attraktives Bundesland. Vielen ist gar nicht bewusst, wie viele schöne Ecken es hierzulande gibt. Schwerin und MV sind mir sehr ans Herz gewachsen.
Frage: Die Festspiele MV gastieren mit verschiedenen Veranstaltungen auch in Schwerin. Welche Highlights dürfen die Zuschauer in Schwerin erwarten?
Hanna Schrader: Der 13. Mai 2010 wird ein allererster Höhepunkt sein. Die Festspiele MV wurden ja am 13. Mai 1990 im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin gegründet. Und wenn wir schon ein rundes Jubiläum, unseren „20.“ feiern, werden wir auch an jenem Ort, wo alles begann, diesen Geburtstag entsprechend festlich zelebrieren.
Daher werden wir am 13. Mai im Mecklenburgischen Staatstheater mit einem Geburtstagskonzert gastieren, bei dem auch unser Preisträger in Residence 2010, Gábor Boldoczki, auftreten wird. Innerhalb unserer diesjährigen Saison, die ja vom 13. Juni bis 12. September andauern wird, gibt es auch eine Veranstaltung am 18. Juni mit Roger Cicero auf der Freilichtbühne.
Außerdem wird die beliebte Schauspielerin Martina Gedeck ins traditionsreiche Lichtspieltheater und Kino CAPITOL kommen und dort am 27. Juni gemeinsam mit Sebastian Knauer einen musikalisch-literarischen Abend gestalten.
Dann haben wir in der Schweriner Schelfkirche zwei Konzerte: am 8. August mit Gidon Kremer, Giedre Dirvanauskaite und Khatia Buniatishvili und am 10. September in der Reihe „Hope`s Music“ mit jungen Künstlern der Chamber Music Society of Lincoln Center New York. Worüber wir uns ebenfalls in diesem Jahr sehr freuen, ist die Kooperation mit dem Staatlichen Museum in Schwerin.
So wird am 17. Juni im Museum ein Improvisations-Konzert zu den Werken von Daniel Spoerri stattfinden. Das sind ein paar Highlights in der Landeshauptstadt von vielen!
Frage: Wieviele Veranstaltungen insgesamt werden im Rahmen der Festspiele MV 2010 angeboten? Gibt es neue Spielstätten?
Hanna Schrader: Wir bieten auch in diesem Jahr ein flächendeckendes Konzert-Angebot für ganz Mecklenburg-Vorpommern an. So werden 123 Konzerte stattfinden. Und in diesem Jahr gibt es ein besonderes Geburtstagsgeschenk für unser Publikum. Es gibt 29 neue Spielstätten. Das ist eine ganze Menge neuer Orte, an denen musiziert wird.
Ganz besonders stolz sind wir dabei auf unsere neue Reihe im Rahmen der Spielstätten „Sleeping Beauties“. Auch 20 Jahre nach Mauerfall und Deutscher Einheit sind noch viele interessante Herren- und Gutshäuser dem Verfall preisgegeben, deren Erhalt daher dringend einer Förderung und Unterstützung bedarf.
Wir haben uns für fünf Gutshäuser entschieden, werden dort konzertieren und zugleich auf diese schönen Bauten aufmerksam machen. Wir hoffen, dass sich dann der eine oder andere Investor finden wird, der sich für das eine oder andere Gutshaus begeistern kann. „Entdeckt“ wurden die neuen Spielstätten von unserem Intendanten Herrn Dr. Matthias von Hülsen und unserem kaufmännischen Geschäftsführer Herrn Toni Berndt.
Diese gehen nach jeder Saison „auf Tour“, um neue Spielorte für die Festspiele in MV zu suchen und wurden dabei bezüglich der Herren- und Gutshäuser fündig. Wir sammeln aber auch Hinweise von Kultur-Interessierten, die uns auf entsprechende Gebäude aufmerksam machen. Letztendlich fahren aber auch wir, das Festspiel-Team, mit offenen Augen durch das Land.
Frage: Welches sind die markanten Gesichter der Festspiele MV 2010?
Hanna Schrader: Ich würde da unbedingt den Geiger Daniel Hope nennen wollen. Das ist unser künstlerischer Partner. Unser Preisträger in Residence des Jahres 2010, der Trompeter Gábor Boldoczki, ist unser künstlerisches Gesicht der Festspiele MV in diesem Jahr. Dieser tritt beispielsweise am 18. August im Schweriner Dom auf. Fazil Say, der türkische Pianist, wird die Festspiele MV 2010 auch prägen.
Wir widmen ihm ein musikalisches Porträt. Es gibt vier Konzerte rund um seine künstlerische Person. Es gibt dabei auch eine Uraufführung seines Auftragswerkes für die Festspiele MV am 12. September beim Abschlusskonzert in der Sankt-Georgen-Kirche in Wismar. Im Fokus der Festspiele MV 2010 steht aus Anlass seines 200. Geburtstages auch der Komponist Robert Schumann.
So präsentieren wir seine großen Orchesterwerke und auch seine Lieder. Viele unserer Preisträger werden bei den Festspielen präsent sein, Daniel Müller-Schott, Julia Fischer oder Viviane Hagner.
Frage: Wie lauten die künstlerischen und organisatorischen Ziele der Festspiele MV 2010?
Hanna Schrader: Wir verstehen uns ja als Nachwuchs-Festival. Für uns ist es daher wichtig, diese künstlerische Position weiter auszubauen. Wir sind daher sehr froh, dass wir mit unserem künstlerischen Partner Daniel Hope eine Brücke Richtung Amerika schlagen konnten.
Wir werden dabei eine Kooperation zwischen dem Lincoln-Center, der Juillard School mit dem Ensemble ACJW und der Carnegie Hall in New York realisieren. Absolventen und Studenten dieser amerikanischen künstlerischen Leuchttürme kommen nach Mecklenburg-Vorpommern, um hier zu konzertieren.
Außerdem haben wir ja mit den Konzerten in der Reihe „Junge Elite“ Veranstaltungen, in denen wir sehr talentierte junge Nachwuchs-Künstlerinnen und –Künstler vorstellen. Aus diesen werden dann unsere drei Festspielträger ermittelt, die dann entweder den WEMAG-Solistenpreis, den Publikumspreis oder den NORDMETALL-Ensemblepreis erhalten. Damit sind sie automatisch Mitglied in unserer großen Festspiel-Familie, werden jedes Jahr zu den Festspielen eingeladen und das Publikum erhält die Möglichkeit ihre Entwicklung kontinuierlich zu verfolgen.
Des Weiteren stellen diese Einladungen auch einen wichtigen Förder-Aspekt dar. Eine intensivere „internationale Note“ erhalten die Festspiele zusätzlich mit der Reihe „Hope`s Music“, die an Bedeutung zunehmen wird.
Was die Ziele betrifft: Wir werden weiterhin auch ein Flächen-Festival bleiben, das „überall“ in MV präsent ist und hoffen dabei natürlich auf möglichst stetig steigenden Zuspruch.
Dann maximale Erfolge, hoch motivierte Künstler und viele Besucher bei den Festspielen MV 2010 !
Die Konzerte der Festspiele M-V 2010 in Rostock
- Sonntag, 20 Juni 2010, Veranstaltungsbeginn: 16:00 Uhr, Ort: Rostock, Hochschule für Musik & Theater
Inhalt: M. Ravel: Streichquartett F-Dur
E. Varése: Octandre für Bläser und Kontrabass
G. Ligeti: Sechs Bagatellen für Bläserquintett
B. Mantovani: Streets
B. Mantovani: Concerto de Chambre No.1 (UA)
Künstler: Akademie der Berliner Philharmoniker, Bruno Mantovani, Dirigent
Inhalt: D. Buxtehude: Kantaten „Befiehl dem Engel, dass er kommt“
BuxWV 10 und „Der Herr ist mit mir“
BuxWV 15 für Chor, Streicher und B. c.
J. S. Bach: Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 227,
Kantate „Gott soll allein“ für Altus, Chor und Orchester BWV 169, Kantate „Vergnügte Ruh“ für Altus und Orchester BWV 170
Künstler: Rostocker Motettenchor, Markus Johannes Langer, Leitung / Maarten Engeltjes, Countertenor / Musica Baltica Rostock, Instrumentalensemble
D. Ortiz: Ricercata segunda
G. F. Händel: Sarabande HWV 437 (Arr. Olivier Fourés)
A. Falconieri: La suave melodia
J. P. v. Westhoff: Imitazione delle campane aus der Sonate Nr. 3 für Violine solo
N. Matteis: Diverse bizzarrie sopra la Veccia, Sarabanda o pur Ciaccona
A. Vivaldi: Sonate d-Moll für 2 Violinen “La Follia”
A. Falconieri: Passacalle à 3
J. P. v. Westhoff: La guerra così nominata di sua maestà aus der Sonate A-Dur "La Guerra"
Traditional: Greensleeves
J.-M. Leclair: Tambourin
M. Uccelini: Aria Sopra la Bergamasca (1642)
N. Matteis: Ground after the Scotch Humour (Aus: Ayrs for the Violin, Book 4, Suite F-Dur)
J. P. v. Westhoff: Imitazione del liuto aus der Sonate Nr. 2 für Violino solo
A. Falconieri: Ciaccona
Künstler: Daniel Hope, Violine / Jonathan Cohen, Violoncello / Stefan Maaß, Laute
Kristian Bezuidenhout, Cembalo / Hans-Kristian Soerensen, Percussion / Lorenza Borrani, Violine
- Donnerstag, 19. August 2010, Veranstaltungsbeginn: 20:00 Uhr, Ort: Rostock, Hochschule für Musik & Theater
Inhalt: D. Schostakowitsch: Konzert c-Moll für Klavier, Trompete und Streicher op. 35
W. A. Mozart: Konzert D-Dur für Violine und Orchester KV 218
F. A. Hoffmeister: Konzert D-Dur für Viola und Orchester
P. I. Tschaikowski: Pezzo Capriccioso für Violoncello und Orchester op. 62
D. Popper: Ungarische Rhapsodie für Violoncello und Orchester op. 68
Inhalt: P. I. Tschaikowski: Violinkonzert D-Dur op. 35
E. Elgar: Introduction und Allegro für Streichquartett und Streichorchester op. 47
R. Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54
L.-E. Larsson: Concertino für Posaune und Streicher
Künstler: Polnische Kammerphilharmonie Sopot / Matthias Kirschnereit, Klavier, Leitung / Andrzej Kulka, Violine / Jonas Bylund, Posaune / Minguet Quartett, Streichquartett / Wojciech Rajski, Leitung
- Freitag, 27. August 2010, Veranstaltungsbeginn: 19:30 Uhr, Ort: Rostock, Hochschule für Musik & Theater
Inhalt: L. Dubrovay: Trompetenkonzert Nr. 3 (UA)
weiteres Programm und Solisten ergeben sich aus der Kursarbeit
Künstler: Polnische Kammerphilharmonie Sopot / Gábor Boldoczki, Trompete / Wojciech Rajski, Leitung