35 Jahre ROhrSTOCK – er lebt noch, stirbt nie…

Es scheint, als ob der „Holzmichel“ nur für das Studentenkabarett ROhrSTOCK geschrieben wurde. Und es scheint, als ob dieser Ohrwurm Wolfgang Dalk, Gründer der Satiregruppe, regelrecht auf den Leib geschneidert wurde. Voller Inbrunst und Hingabe intonierte und gestikulierte Dalk den auf den ROhrSTOCK umgetexten Refrain zu Beginn des Jubiläumsauftritts am Montag in der Bühne 602.

Knapp 90 Minuten bestritten die „Alten“ wie Frank Mecklenburg oder Frank Götz das Programm, das einen Querschnitt aus 35 Jahren bot. Von den Anfängen in den 70ern über die, für Kabarettisten dankbare Wendezeit bis hin zur Gegenwart, ließen die Oldies die Highlight Revue passieren. Moderiert und mit zahlreichen Querverweisen versehen, wurde das Programm von Wolfgang Dalk und dem heutigen Ober-Stock Michael Ruschke. Es hatte schon etwas Geniales an sich, den beiden zuzuschauen. Perfekt spielten sie sich die Bälle zu, perfekt auch Mimik (Ruschke) und Gestik (Dalk).

Auszüge aus dem aktuellen Programm „Verdummt und zugenäht“ präsentierten die aktuellen ROhrSTÖCK e. Hier nehmen sie die Verdummung durch Talkshows, Medien und seichte Berieselung aus den Kanälen aufs Korn. Zwar nicht neu, aber originell. Krönender Abschluss der Kreidetanz (in Anlehnung an den Säbeltanz von Aram Chatschaturian), als Jung und Alt gemeinsam auf der Bühne agierten, die Zuschauer sich vor Lachen bogen. Überhaupt gefallen die aktuellen ROhrSTÖCKe wegen ihrer Unbekümmertheit. Dass sich z.B. Ellen Schulmeiß vor Lachen fast „wegschmeißt“ macht die Truppe sympathisch.
„Angefangen hat alles 1970. Ich wurde als einer der ersten Forschungsstudenten zum FDJ-Sekretär der Sektion Sprachen und Literaturwissenschaft gewählt. Im Arbeitsprogramm stand ein Satz: Das Kabarett ist aus seinen Anfängen herauszuführen. Da habe ich drei Texte genommen und bin zu dieser Gruppe gegangen“, erinnert sich Wolfgang Dalk, der heute in Magdeburg auf der Bühne steht und dort die Reihe „Talk mit Dalk“ moderiert. Mehrmals führten Tourneen durch die damalige Sowjetunion, was natürlich reichlich Stoff für das Kabarett gab. Trotz der Erfolge hat das heutige Kabarett ein Nachwuchsproblem. „Die Zeiten, als wir aus über 80 Leuten unser Team auswählen konnten sind vorbei“, so Dalk. Vor der Leistung der Gruppe, die nun angeführt wird von Michael Ruschke („Ein Glücksfall für das Kabarett“) hat Dalk äußersten Respekt. „Es ist wirklich eine tolle Truppe, ich habe Hochachtung vor der Leistung der aktuellen Besetzung“, lobt Dalk.

Nun geht das Kabarett ROhrSTOCK die nächsten Jahre an. Dalk hofft natürlich auch in fünf Jahren mit von der Partie zu sein, auch das 50. Jubiläum will gefeiert werden. Themen wird es auch in Zukunft genug geben, interessierte junge Leute, die das Leben aufs Korn nehmen ebenfalls. Und der ROhrSTOCK der wird weiterleben, stirbt nicht…

© Olaf Jenjahn

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