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"Die Macht des Schicksals" und die "Macht der Fußbälle" |
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Die Mezzosopranistin Sarah van der Kemp über ihre Rolle als "Prezziosilla" in Verdis "Macht des Schicksals" bei den Schweriner Schlossfestspielen 2010, die Fußball-WM 2010 und ihre künstlerischen Ambitionen Die Schweriner Schlossfestspiele 2010 locken seit 25.Juni ein zahlreiches Ein fußballsportlich-theatralisches Interview "Glaubt man an das Schicksal, ist davon ja auch der Fussball betroffen ..." Frage: Frau van der Kemp, was ist für Sie größer: Die „Macht des Sarah van der Kemp: Glaubt man an das Schicksal, ist davon ja auch der Fussball betroffen. Wenn Sie Fussball oder Oper meinen, ist das für mich natürlich die Oper. Schließlich ist der Operngesang mein Beruf und meine Leidenschaft. Frage: Wenn Sie wählen könnten: Für wen würden Sie sich entscheiden – für Sarah van der Kemp: Verdi ist tot, Herr Lippi hat gerade eine herbe Niederlage erlitten. Frage: Bei der Fußball-WM geht es wie in Verdis Oper um „Glück“ und „Unglück“. Die einen erhalten kein „Vuvuzela-Tor“, die anderen sind Sarah van der Kemp: Ich denke, dass Glück und Unglück jeden Menschen prägen - und natürlich auch mich. Es gibt für mich den Unterschied zwischen einem momentanen Glücksgefühl und anhaltender Glückseligkeit. Wenn Sie das mit dem Fussballspiel vergleichen, ist ein geglückter Elf-Meter ersteres: der Spieler hat in die Ecke gezielt, in die der Torwart nicht gesprungen ist. Glück gehabt! Frage: Der alte Engels meinte einmal „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Wer also „Glück“ haben will, muß es erzwingen, hart dafür arbeiten und kämpfen. Sarah van der Kemp: Ich hatte das Glück, dass ich mit musikalischem Talent in eine Familie geboren wurde, die dieses gefördert hat und mir ermöglichte, meine Leidenschaft Musik als Beruf ausüben zu dürfen. Aber dieses Geschenk auf ein Niveau zu bringen, was mich selbst, und damit hoffentlich auch andere zufrieden stellt, ist harte Arbeit. Außerdem sind es nicht nur die täglichen stimmlichen Übungen und das Erlernen neuer Partien, die dazu gehören. Es ist ein Beruf, der einen 24-Stunden-Tag erfordert ... Für mich stellt sich auch immer die Frage, wie ich das Singen, und damit die Interpretation der Musik und der Handlung, „lebe“. Je mehr Erfahrungen ich im Leben mache, desto besser kann ich mich in eine Rolle auf der Opern-Bühne hineinversetzen. Manchmal lerne ich von der Musik für das Leben, manchmal lerne ich im Leben für die Musik. Diese Verbindung und Wechselwirkung hat eine enorme Kraft und Faszination für mich. Frage: Die Südamerikaner und Deutschland sowie die Niederlande dominierten die Fußball-WM. Sarah van der Kemp: Während des Studiums habe ich mich oft gefragt, was eigentlich die die Aufgabe von Musik oder ganz allgemein Kunst ist. Für mich spielt eine wichtige Rolle, dass sie auch immer ein Spiegel der Zeit und der Gesellschaft darstellt. Da muss man bloß in die Geschichte zurück blicken: Während der Aufklärung hat Mozart die Zauberflöte auf deutsch und nicht wie üblich auf italienisch geschrieben, damit sie jeder versteht. Und heute? Auf den Spielplänen stehen in der Hauptsache Opern, die vor mehreren hundert Jahren geschrieben wurden. Carmen ist ein Meisterwerk, aber wozu heute ständig Konserven spielen? Wieso erobern sich lebende Komponisten gegenwärtig nicht die Opernbühnen? Warum gibt es diese Abspaltung? Warum setzt sich die aktuell geschriebene Opernmusik nicht durch? Deshalb war ich neugierig auf das zeitgenössische Musiktheater und traf einen Komponisten, der in Südamerika seine Stücke aufgeführt hat. Ich habe dann einige Tourneen mit ihm in südamerikanischen Theatern gesungen. Wir kamen auch in Kontakt mit einheimischen Musikern, die einen ganz anderen Zugang zu ihrer Musik haben. Natürlicher und direkter, würde ich sagen. Machen und weniger denken. Aber dabei muss man auch berücksichtigen, dass diese Musik überhaupt sehr unterschiedlich zu der europäischen aufgebaut ist. Ich bleibe so lange bei Carmen, bis die zeitgenössische Musik eine neue Richtung einschlägt... Mich sprechen die alten Meisterwerke heute in vielem mehr an und sind „aktueller“ für mich. Aber dieses Thema führt jetzt vielleicht etwas zu weit... Frage: Ihr Einsatz bei den Schlossfestspielen erfordert volle Hingabe. Sind Sie zum Ausgleich sportlich aktiv ? Sogar mit Fußball spielen ? Sarah van der Kemp: Fussball ist was für Männer! Die körperliche Ausdauer und Schnelligkeit, eine gewisse Brutalität ... Frauenfussball langweilt mich zu Tode. Aber ich gehe joggen. Man muss als Sänger sehr gut auf seine körperliche Verfassung achten. Frage: Sie sind die „Preziosilla“ im „Macht des Schicksals“. Würden Sie – Sarah van der Kemp: Ja, natürlich! Es kommt ja nicht immer auf die Länge der Partie oder die Anzahl der Arien an. Was mich an einer Partie reizt, ist die innere Entwicklung einer Opernrolle zum Ausdruck zu bringen. Da hat man zum Beispiel mit der Partie der Leonora in der "Macht des Schicksals" ganz anderen Aufgaben. Sie verliebt sich in den standesmäßig „falschen“ Mann und daraus ergibt sich ein unglückliches Schicksal. Dieser Konflikt - sagen wir zwischen Liebe und Ehre - bestimmt im Verlauf der Oper ihre innere Entwicklung. Solche Herausforderungen interessieren mich grundsätzlich mehr. Frage: Wie würden Sie einen überzeugten Fußball-Fan, der mit Kultur nichts Sarah van der Kemp: Das ist schwer in fünf Minuten! Und Dinge, die eine Beziehung zu einem selbst haben, findet man doch immer spannend und ansprechend. Außerdem berührt Musik als Sprache alle Sinne des Menschen. Sie ist eine universelle Sprache, die jeder verstehen kann. Die musikalischen Ausdrucksmittel des jeweiligen Komponisten sind dann allerdings oft Geschmackssache. Frage: Verdis Oper „Macht des Schicksals“ ist seit fast 150 Jahren ein Sarah van der Kemp: Ich habe diese Fussball-Weltmeisterschaft wegen der Schlossfestspiele nur am Rande verfolgen können. Sehr parteiisch bin ich nicht. Es sollen die gewinnen, die den interessantesten Fussball spielen: mutig, phantasievoll, nach vorne zum Tor! Ich würde es allerdings einmal einer nicht-europäischen Mannschaft gönnen! Frage: Nach der letzten Vorstellung der Schlossfestspiele 2010: Geht es für Sie künstlerisch „nonstop“ weiter oder ist dann erst einmal Urlaub angesagt ? Sarah van der Kemp: Erst einmal Urlaub! Dann maximale Erfolge auf allen Bühnen dieser Welt ! Die Fragen stellte Marko Michels. Infos zu den Schlossfestspielen 2010:
Fotos: Silke Winkler / zur honorarfreien Verwendung / vom Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin zur freien Verfügung gestellt |
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