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Das MAU wartete am Donnerstag (24. April) mit einer für diese Verhältnisse
eher ungewöhnliche Performance auf. Statt lauter und harter Musikklänge
schlugen drei Herren im nicht mehr ganz so jungen Alter zwar leisere,
aber dennoch scharfe Töne an. Zu Gast waren die Titanic-Macher
Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella, die mit ihrem
Programm 2000 Jahre Satire - Die Boygroup von Titanic, das Rostocker
Publikum drei Stunden vorzüglich unterhielt. Obwohl das gesprochene
Wort in den Räumen des MAU nicht ganz optimal den Weg in die Ohren
der Zuhörer fand und auch die ein oder andere Flasche laut "deppernd"
auf dem Boden zerschellte, sollten die MAU-Macher öfter diese Art
von Unterhaltung wählen. Mit einer leichten Veränderung der
Lokalität (vornehmlich im Bereich der Akustik) und einem kleinen
Benimmkursus für Teile des Einlasspersonals, könnten Abende
wie dieser durchaus eine Bereicherung des Kulturlebens im MAU sein.
Auch wenn die Herren Schmitt, Sonneborn und Gsella mit den Tücken
der Technik haderten, der Dia-Projektor stammte nach Erkenntnissen von
OMS noch aus der DDR) ritt die Boygroup souverän durch 20 Jahre
- oder waren es 2000 - Satiremagazin. Die Bonbons der Printausgabe wurden
mit interessanten Dias untermalt, das manchmal etwas anarchistische
Magazin brach in seiner Geschichte desöfteren mit den Tabus der
Journalistik. Da wurden zu beginn der Veranstaltung Briefe an die Leser
verlesen, in denen die Macher Kuriositäten aus dem Zeitungsbereich
aufgriffen. "Amokläufer erschießt vier Kollegen",
"Hitparaden-Hecks imaginärer Einsatz an der Oderflutfront"
oder die "Sexualberaterin Gisela von Hinten" - alles Themen
Lachsalven herausforderten, aber die real existieren. Interessant, weil
scharfzüngig formuliert auch der Bericht vom Konzert der Flippers
(leider etwas zu langatmig), dem Playboy-Annäherungsversuchen und
die authentische Wiedergabe einer inszenierten Schwarzgeldübergabe
an CDU-Politiker.
Nach einer 20-minütigen Pause machten die Titanic-Macher munter
weiter: Kriegserklärung an Jugoslawien (von 1999, sorgte für
handfeste Verwicklungen), die beißende Vorstellung des Landes
Afghanistans (unter Zuhilfenahme jedes Klischees) und der Skandal um
die Wahl bei der Ausrichtung der Fußball-WM 2006 in Deutschland
(was nun wirklich für handfeste Verwicklungen sorgte). Die Redaktion
verschickte damals gefakte Faxe an einige FIFA-Mitglieder und versprach
ihnen bei pro-deutscher Unterstützung Kuckucksuhren und schwarzwälder
Wurstspezialitäten. Die Bild-Zeitung machte damals, als die Sache
dann ans Licht kam, mobil gegen die Titanic und lies zum Lesersturm
gegen das Magazin. Das Ergebnis war mittels CD zu hören und minderbemittelte
Schichten aus allen Ecken der BRD beschimpften damals die Nestbeschmutzer,
Arschlöcher und Blödmänner! Jaja
Kaiser Franz und
König Fußball hatten schon schwer am Titanic-Kreuz zu tragen.
Und so ging der Abend denn zu Ende. Das Zuhörervolk deckte sich
mit allerlei Titanic-Zeugs ein, die Leserschaft des Blatts wurde im
Raum Rostock, zumindest für eine Ausgabe enorm gesteigert und beim
nächsten besuch sollte dann auch der Dia-Projektor funktionieren.
oj
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